Breathwork statt Drogen – und was das mit Glück zu tun hat

Was wäre, wenn wir das Gefühl von Freiheit, Ruhe und innerem Glück nicht immer im Außen suchen müssten?

Wir leben in einer Zeit, in der vieles schnell gehen soll. Ein neuer Reiz, ein neues Erlebnis, ein neues Hochgefühl. Wir scrollen, feiern, konsumieren, trainieren, suchen Ablenkung – und manchmal suchen wir auch ganz bewusst den nächsten „Kick“.

Doch was passiert eigentlich, wenn dieser Moment wieder vorbei ist?

Genau diese Frage hat mich zu einem Thema geführt, das ich sehr spannend finde: Breathwork. Bewusstes Atmen als Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung zu verändern – ganz ohne Drogen.

Dabei geht es mir nicht darum, Breathwork zu einem Wundermittel zu erklären. Ganz im Gegenteil. Ich finde es wichtig, zwischen persönlichen Erfahrungen und dem zu unterscheiden, was wissenschaftlich tatsächlich untersucht wurde.

Und genau deshalb ist dieses Thema so interessant.

Warum suchen wir eigentlich immer den nächsten Kick?

Vielleicht kennen wir es alle: Man möchte für einen Moment raus aus dem Alltag. Raus aus Stress, Langeweile oder Gedanken, die sich ständig im Kreis drehen.

Manchmal suchen wir dieses Gefühl durch Unterhaltung, Sport, Feiern, Konsum oder andere intensive Erfahrungen. Manche Menschen greifen auch zu Alkohol oder Drogen. Andere brauchen ständig neue Sexpartner, exzessiven Sport oder gefährliche Adrenalinkicks.

Der Reiz daran ist verständlich: Etwas passiert. Wir fühlen mehr. Wir denken weniger. Für einen Moment kann sich das Leben leichter, intensiver oder aufregender anfühlen.

Aber ein kurzfristig angenehmer Zustand ist noch nicht dasselbe wie nachhaltiges Glück. Nach dem kurzen Glücksrausch durch Dopamin kommt sehr schnell wieder der gleiche zermürbende Zustand, den man vorher hatte. Eine innere Leere in Verbindung mit viel äußerem Lärm. Auf der Suche nach dem nächsten Rausch – in irgend einer Form, in dem Wissen, dass das Glück wieder nicht von Dauer sein wird.

Und genau hier beginnt für mich die spannende Frage: Was wäre, wenn wir lernen könnten, unsere innere Wahrnehmung auch ohne einen äußeren Kick zu verändern?

Nicht um vor dem Leben davonzulaufen.

Sondern um wieder mehr bei uns selbst anzukommen.

Breathwork: Der Atem als Werkzeug

Breathwork ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Atemübungen. Manche Methoden arbeiten mit einem ruhigen und langsamen Atemrhythmus, andere sind deutlich intensiver.

Dass Atmung und körperliche Regulation miteinander verbunden sind, ist wissenschaftlich gut nachvollziehbar. Untersuchungen zu langsamer Atmung zeigen Zusammenhänge mit Veränderungen im autonomen Nervensystem und der Herzratenvariabilität.

Das klingt zunächst sehr technisch.

Für mich bedeutet es vor allem etwas ganz Einfaches:

Unser Atem ist nicht nur etwas, das automatisch passiert. Wir können ihn auch bewusst einsetzen.

Und genau das macht Breathwork für mich so interessant.

Was sagt die Wissenschaft über Breathwork?

Hier lohnt sich ein genauer Blick – und gleichzeitig ein bisschen Bodenhaftung.

Eine 2023 veröffentlichte Meta-Analyse untersuchte 26 Studien mit insgesamt 785 erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Für Stress wurden zwölf randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten einen kleinen bis mittleren positiven Effekt von Breathwork auf das subjektiv empfundene Stressniveau. Auch bei Angst und depressiven Symptomen wurden positive Zusammenhänge gefunden. Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass viele der untersuchten Studien methodische Einschränkungen hatten und weitere hochwertige Forschung notwendig ist.

Eine weitere wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 wertete 58 Studien zu Atemübungen und Stress beziehungsweise Angst aus. Die Autoren fanden Hinweise darauf, dass bestimmte Atemübungen hilfreich sein können. Besonders interessant: In den ausgewerteten Untersuchungen schnitten sehr schnelle Atemübungen nicht automatisch besser ab.

Das finde ich wichtig.

Denn Breathwork sollte nicht nach dem Motto funktionieren: Je intensiver, desto besser.

Vielleicht ist manchmal genau das Gegenteil der Fall.

Glück muss nicht immer ein Feuerwerk sein

Wir sprechen oft über Glück, als müsste es sich groß und spektakulär anfühlen.

Euphorie. Adrenalin. Begeisterung. Der große Moment.

Aber vielleicht gibt es noch eine andere Form von Glück.

Diese stille Zufriedenheit.

Das Gefühl, dass gerade nichts fehlt.

Ein ruhiger Kopf.

Ein tiefer Atemzug.

Ein Augenblick, in dem wir nicht funktionieren, leisten oder irgendjemandem etwas beweisen müssen.

Vielleicht ist Glück manchmal nicht das Gefühl, mehr zu bekommen. Vielleicht ist es das Gefühl, für einen Moment nichts mehr zu brauchen.

Das ist natürlich meine persönliche Sicht auf das Thema – keine wissenschaftliche Definition von Glück.

Aber genau diese Perspektive macht Breathwork für mich interessant.

Breathwork statt Drogen?

Der Titel dieses Artikels ist bewusst provokant.

Denn Breathwork und Drogen sind natürlich nicht dasselbe. Sie wirken nicht auf die gleiche Weise und können auch nicht einfach gegeneinander ausgetauscht werden.

Es gibt allerdings Atemtechniken, bei denen sehr intensiv und schnell geatmet wird. Die Forschung beschreibt, dass sogenannte High-Ventilation-Breathwork-Methoden deutliche Veränderungen des körperlichen und subjektiven Erlebens auslösen und unter bestimmten Bedingungen auch veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen können.

Das ist faszinierend.

Aber genau deshalb sollte man intensive Atemtechniken auch nicht einfach als harmloses Spiel betrachten.

Intensiver ist nicht automatisch besser.

Wer mit Breathwork beginnt, muss nicht sofort die extremste Methode ausprobieren. Ruhige und kontrollierte Atemübungen sind für den Einstieg ein wesentlich naheliegenderer Ansatz.

Und auch hier zeigt die Forschung interessante Ergebnisse: Eine randomisierte Studie mit 400 Personen untersuchte beispielsweise sogenanntes „coherent breathing“, also eine langsame, gleichmäßige Atemtechnik, über mehrere Wochen.

Und was hat das jetzt mit Drogen und Dopamin zu tun?

Hier möchte ich bewusst einen Unterschied machen.

Es wäre zu einfach zu sagen:

„Drogen machen glücklich, danach fällt das Dopamin ab und deshalb braucht man den nächsten Kick.“

So einfach funktioniert unser Gehirn nicht.

Dopamin ist nicht einfach unser „Glückshormon“. Es ist an vielen Prozessen beteiligt – unter anderem an Motivation, Lernen und Belohnungsverarbeitung.

Deshalb würde ich auch nicht behaupten, dass jeder intensive Reiz automatisch zu einer Art „Craving“ führt.

Was wir aber aus unserem Alltag kennen, ist etwas anderes:

Wir können uns daran gewöhnen, immer wieder nach neuen Reizen zu suchen.

Noch eine Nachricht.

Noch ein Video.

Noch ein Erlebnis.

Noch mehr Intensität.

Und irgendwann wird die Ruhe fast unangenehm.

Vielleicht ist genau hier der Punkt, an dem bewusste Atmung interessant wird.

Nicht als Ersatzdroge.

Nicht als nächster Kick.

Sondern als Möglichkeit, überhaupt wieder wahrzunehmen, wie sich ein ruhiger Zustand anfühlt.

Vielleicht brauchen wir weniger – nicht mehr

Ich glaube, dass wir uns manchmal selbst sehr viel Druck machen.

Wir wollen erfolgreicher sein.

Glücklicher sein.

Schöner sein.

Mehr erleben.

Mehr erreichen.

Mehr fühlen.

Und vielleicht wäre manchmal ein anderer Weg sinnvoll:

Weniger suchen. Mehr wahrnehmen.

Ein paar Minuten sitzen.

Den Atem beobachten.

Den Körper spüren.

Gedanken kommen und wieder gehen lassen.

Nichts erzwingen.

Nichts erreichen müssen.

Breathwork kann dabei ein Werkzeug sein. Die bisherige Forschung macht Hoffnung, insbesondere im Bereich von Stress und Angst. Sie liefert aber noch keinen Grund, daraus ein universelles Heilversprechen zu machen.

Und genau diese Mischung aus Offenheit und Realität gefällt mir.

Vielleicht beginnt Glück tatsächlich mit einem Atemzug

Wir können nicht jede schwierige Situation einfach wegatmen.

Wir können nicht jede Krise mit Breathwork lösen.

Und wir sollten auch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung durch Atemübungen ersetzen, wenn professionelle Hilfe notwendig ist.

Aber wir können lernen, bewusster mit uns selbst umzugehen.

Wir können uns einen Moment nehmen.

Wir können langsamer werden.

Und wir können wieder spüren, dass wir einen Körper haben – nicht nur einen Kopf voller Gedanken.

Vielleicht liegt Glück nicht immer dort, wo wir es suchen.

Vielleicht liegt es manchmal nicht im nächsten Erlebnis.

Nicht im nächsten Kick.

Nicht im nächsten Konsum.

Sondern in einem Moment, in dem wir einfach da sind.

Einatmen.

Ausatmen.

Ankommen.

Vielleicht ist das nicht spektakulär.

Aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Mein Fazit

Breathwork statt Drogen klingt zunächst nach einem ungewöhnlichen Vergleich. Für mich geht es aber um etwas anderes: um die Frage, ob wir lernen können, unsere innere Welt bewusster zu erleben, ohne ständig einen äußeren Reiz zu brauchen.

Die Wissenschaft zeigt erste interessante Ergebnisse bei Stress und Angst. Gleichzeitig ist die Forschung noch nicht weit genug, um große Versprechen zu machen.

Und vielleicht müssen wir auch gar nicht mehr versprechen.

Vielleicht reicht die einfache Erfahrung:

Ich kann innehalten.
Ich kann atmen.
Ich kann mich selbst wieder spüren.

Und vielleicht beginnt genau dort ein kleines Stück von dem, was wir Glück nennen.

Alles Liebe

Edda

Wissenschaftliche Quellen

  • Fincham, G. W. et al. (2023): Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports.
  • Bentley, T. G. et al. (2023): Breathing Practices for Stress and Anxiety Reduction: Conceptual Framework of Implementation Guidelines Based on a Systematic Review of the Published Literature. Brain Sciences.
  • Fincham, G. W. et al. (2023): High ventilation breathwork practices: An overview of their effects, mechanisms, and considerations for clinical applications. Neuroscience & Biobehavioral Reviews.
  • Fincham, G. W. et al. (2023): Effect of coherent breathing on mental health and wellbeing: a randomised placebo-controlled trial. Scientific Reports.
  • A Systematic Review of Breathing Exercise Interventions: An Integrative Complementary Approach for Anxiety and Stress in Adult Populations (2024).

Hinweis: KI-gestützte Bildbearbeitung und Recherche

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